Stangl erläuft alle Seven in Rekordzeit
Neun Stunden und zehn Minuten vom Basislager bis zum Gipfel, in dieser Zeit erstürmte Extrembergsteiger Christian Stangl den Mount Vinson – den höchsten Berg der Antarktis mit 4.892 Metern. Damit schaffte der Steirer auch den letzten Gipfel seiner "Seven Summits Speed-Tour".

Christian Stangl hat es geschafft: Nach neun Stunden und zehn Minuten Skyrunning stand er vergangenen Freitag am höchsten Punkt der Antarktis. Den alten Rekord hielten slowenische Bergsteiger mit 19 Stunden. Stangl atomisierte diese Zeit.
Stangl startete vom Basislager in ca. 2.200 Meter Höhe bei minus 15 Grad. Auf Skiern glitt der Steirer die ersten acht Kilometer bis zum Fuß des Vinsons. Dort angekommen schulterte er die Skier, zurrte die Steigeisen fest und ging im Laufschritt in die Vertikale.
"Keine Probleme, es lief wie geplant. Nur im Bergschatten war’s extrem ungemütlich: die Eiszapfen wuchsen mir aus Nase und Mund", so Stangl. 200 Meter unter dem Gipfel musste er noch eine Felswand überwinden. Dann der Gipfel auf 4.892 Metern. Angenehme Temperatur von minus 15 Grad, windstill, strahlend blauer Himmel. Intensiver Genuss des Triumphs. Stolz, alle sieben Berge in Weltrekord erobert zu haben.

Stangl am Vinson

Chris Stangl, der
Chris Stangl, der "Skyrunner", hat alle sieben geschafft!
"Das Gefühl war unbeschreiblich – nur weiß um mich, Schnee bis zum Horizont, traumhaft. Der Ausblick war gigantisch", Stangl weiter. Dann der Abstieg. Zur geplanten Skiabfahrt von ganz oben kam es nicht: erst unter der Felswand stieg Stangl auf die zurückgelassenen Skier und sauste den Vinson hinunter. Nach weiteren zweieinhalb Stunden erreichte Stangl ein Lager auf dem Hochplateau, wo sich eine österreichische Berggruppe gerade einrichtete. Die Bergkollegen begrüßten ihn mit standing ovations. Das Wetter veschlechterte sich wieder zusehends: "Für einen Skyrun genügt es, ein kleines Wetterfenster zu haben; genau das habe ich erwischt am Vinson", so Stangl abschließend.

Alle sieben

Die "Seven Summits" – sieben höchsten Kontinentalberge – sind der Traum mancher Bergsteiger. Stangl hat sie jetzt alle auf seiner Erfolgsliste: Vinson, Everest, Elbrus, Kilimandscharo, Aconcagua, Carstenz und McKinley. Und alle mit Weltrekorden: Mit Zeiten für Normal-Sterbliche kaum vorstellbar: 49 Minuten für die Carstensz-Pyramide in Indonesien oder 16 Stunden 42 Minuten für den Everest. Insgesamt 58 Stunden und zehn Minuten. Wohlgemerkt: absolute Zeit für alle sieben Berge. Zum Vergleich: die bisherigen Besteigungszeiten addiert, kommt man auf eine Gesamtzeit von über 500 Stunden.

Wo anderen die Luft ausgeht ...

Christian Stangl ist das personifizierte Skyrunning. Ein Skyrunner geht alleine auf die Berge, ohne Crew und Lagerkette. Kein künstlicher Sauerstoff. Auf der schnellsten Route, nur gegen die Uhr. Ohne viel Equipment, mit leichter Bekleidung – Stangl schnitt sogar die Gummisohle unter den Steigeisen ab, um Gewicht zu sparen. Alle Bergriesen der Erde als Tagestour, erklärtes und bei den "Seven Summits" erreichtes Ziel von Christian Stangl.
Doch Stangl ist nicht nur der schnellste Bergsteiger zur Zeit, auch der Vielseitigste: den Kilimandscharo joggte er in Turnschuhen nach oben – für 45 Kilometer und 4.445 Höhenmeter brauchte Stangl fünf Stunden, 36 Minuten – die Carstensz-Pyramide in Neuguinea kletterte er frei im fünften/sechsten Grad, dem McKinley in Alaska ging’s mit Steigeisen und Pickel aufs Dach, am Vinson gemischter Stil mit Skifahren, Klettern und Laufen. Der Steirer hat alles drauf: Bergsport in höchster Vollendung. Christian Stangl: Einer der herausragenden Spitzensportler unserer Zeit.

Sein Geheimnis? Wo anderen die Luft ausgeht, kommt Stangl erst so richtig auf Touren. In großen Höhen gibt’s wohl keinen, dessen Körper so gut anpasst an extreme Leistung. Das bescheinigen ihm jedenfalls die Sportmediziner. Warum das so ist, wissen sie allerdings nicht – ein Phänomen. Die Motivation Stangls: "Ich möchte das Bergsteigen in neue Dimensionen katapultieren. Seit 50 Jahren hat sich kaum was verändert. Die letzte Innovation waren die Achttausender ohne Sauerstoff-Flaschen. Ich habe den Beweis geliefert, dass man alle Berge als Tagestour machen kann. Und ohne viel Equipment und Technik, ehrliches Bergsteigen."

Für die Zukunft plant Stangl zwei Achttausender direkt hintereinander und mehrere Sechstausender (fünf bis sechs, wie sich’s ausgeht) in den Anden an einem Tag zu besteigen.


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