Ende der Odyssee am Nanga Parbat
Neun Tage nach Beginn des Dramas auf dem Nanga Parbat sind die beiden italienischen Alpinisten Simon Kehrer und Walter Nones in Sicherheit. Sie wurden nacheinander mit einem Hubschrauber von rund 6.000 Metern Höhe aus zum Basislager geflogen.

Der gefürchtete Nanga Parbat wurde erneut seinem Ruf als „Schicksalsberg“ (Zitat: Reinhold Messner) gerecht. Über neun Tag hinderte schlechtes Wetter die auf dem 8.125 m hohen Berggiganten festsitzenden Extrembergsteiger Simon Kehrer und Walter Nones am Abstieg ins Basislager. Die zwei wollten mit dem Extrembergsteiger und Bergführer Karl Unterkircher (siehe Bilder) über eine neue Route in der Rakhiot-Wand aufsteigen, als Unterkircher in eine Gletscherspalte stürzte und von seinen Kameraden nicht geborgen werden konnte. In seinem letzten Eintrag in seinem Internet-Tagebuch schien Unterkircher das Unglück vorauszuahnen: "Diese verwunschene zerklüftete Eiswand mit den vielen Gletscherspalten. ... Diese trotzige Teufelswand ließ mich schon am ersten Tag unserer Ankunft nicht in Ruhe, sie macht mich unschlüssig und skeptisch."
Kehrer und Nones setzen den Aufstieg fort, da ihnen der Rückweg zum Basislager verwehrt bleibt. Die nun folgenden Rettungsaktionen geraten infolge schlechten Wetters, Nebels und Schneefalls immer wieder ins Stocken. Allein einem Piloten der pakistanischen Armee gelingt es am 19. Juli, ein Satellitentelefon und Lebensmittel in der Nähe der Bergsteiger abzuwerfen. Das gibt den Alpinisten die Chance, jedes Schönwetterloch ausnützend, Meter für Meter abzusteigen, um die erforderliche Höhe für eine Hubschrauberbergung zu erreichen. Tagelang müssen die Bergsteiger nun in ihrem Zelt auf 6.600 Meter ausharren. „Wir trauen uns nicht den Abstieg fortzusetzen, weil wir im dichten Nebel stecken, wir sehen nichts", melden sie über das Satellitentelefon.
Am Donnerstag, den 24. Juli kommt dann endlich Hoffnung auf. „Das Wetter ist gut, sie bewegen sich nach unten und sind auf etwa 6000 Meter Höhe abgestiegen“, sagt der Sprecher der italienischen Botschaft in Pakistan, Sergio Oddo. Wenig später steigen die Hubschrauber auf und bringen Simon Keher und Walter Nones hintereinander ins Basislager in Sicherheit. Den beiden Alpinisten geht es gut, sie sind sehr erschöpft und werden im Militärkrankenhaus in Gilgit untersucht. Auf die Aufforderung des Leiters der Rettungsaktion Agostino da Polenza sofort zu Hause anzurufen, anwortet Walter Nones im Scherz: „Was, ich muss zu Hause anrufen?“ „Willst du vielleicht damit bis morgen warten?“ Der erste Gedanke der Geretteten habe aber dem abgestürzten Bergkameraden Karl Unterkircher gegolten und sie haben seinen Namen in den Stein geritzt, der zum Gedenken an Hermann Buhl im Basislager aufgestellt wurde.

Als westlicher Eckpfeiler des Himalaja ist der schwierige Achttausender, der neunthöchste, den Witterungseinflüssen besonders ausgesetzt und gilt unter Alpinisten als einer der am schwierigsten zu besteigenden Berge der Erde. Bis Ende 2006 gab es 270 erfolgreiche Besteigungen, aber auch 64 Todesfälle. Die Wahrscheinlichkeit, am Nanga Parbat ums Leben zu kommen, ist somit rein statistisch höher als am Everest. Der „nackte Berg“, wie der Nanga Parbat auf Sanskrit genannt wird, wurde 1953 vom Österreicher Hermann Buhl in einem aufsehenerregenden Alleingang erstmals bestiegen.


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