Wandern in ''Böhmisch Kanada''
Zwischen der "Mährischen Thaya" und Telc, dem tschechischen Bereich der NÖ Landesausstellung 2009, führen geschichtsvolle Wege über alle Grenzen hinweg tief hinein nach Böhmen und Mähren. Bernhard Baumgartner hat einige Wege für uns ausgekundschaftet.

Anmutig „hügelt“ sich das Land dahin, von weiten Talbecken im Südosten allmählich hinan zur Wasserscheide der Böhmisch-Mährischen Höhe im Nordwesten. Aus Waldgründen mit verstreuten Urgesteinsblöcken und sumpfigen Mulden heraus fließen die dunklen Wasser des Hochlandes der Mährischen Thaya zu. Im sorgsam erhaltenen und renovierten Zentrum von Telc scheint die Zeit stehengeblieben zu sein, ebenso in dem etwas intimer wirkenden Slavonice. „Böhmisch Kanada“ – diesen Namen erhielt das Naturreservat Prirodni park Ceska Kanada nordwestlich von Slavonice wegen seiner dünnen Besiedlung und dem rauen Klima. Die endlosen, von Teichen und „Steinmeeren“ durchsetzten Wälder werden von ausgezeichnet markierten Wanderwegen und Radrouten erschlossen. Die beiden beschriebenen Wandervorschläge eignen sich für Geübte auch als Mountainbike-Touren!

"Kaskade der Waldteiche“ und Graslweg

Rundwanderung von Slavonice (ehem. Zlabings, sehenswerter historischer Stadtkern, Panoramablick vom Kirchturm – Montag geschlossen!), 17 km Streckenlänge, Gehzeit ca. 5 Stunden, unterwegs keine Einkehrmöglichkeit. Ausgangspunkt – vom Parkplatz bei der Busstation (Einkaufsmöglichkeit) Durchgang zum unteren Hauptplatz Namesti miru (Bank, Einkehrmöglichkeiten, Infostelle – dort erhältlich die empfehlenswerte Wanderkarte „Slavonicko Thayaland“ 1:25 000)

Beim ehemaligen Herrenhaus rechts (rote Markierung) bergab zum Zlabingsbach (geradeaus der sogar kulturhistorisch interessante Friedhof) und rechts auf unmarkierten Promenadenwegen diesen entlang, nach der folgenden Bahnunterführung wieder zur roten Markierung. Über die Anhöhe mit dem „Festungsareal“ hinweg (museal präsentierte Bunker als Grenzschutzanlagen von 1935/38) und auf Forststraße an den teilweise abseits gelegenen Waldteichen vorbei zu Wegkreuzung (links rot Richtung Stare Mesto). Hier grün markiert scharf rechts auf Waldsteig zur Wüstung Bobovec (Pfaffenschlag, in den Hussitenkriegen zerstörtes mittelalterliches Dorf). Die folgende Landstraße beim Parkplatz Bobovec überqueren und grün markiert weiter zur Kreuzung von Forstwegen nahe dem großen Teich Dolni Satlava (Gehzeit ca.2 Stunden). Nun auf der asphaltierten Forststraße links weiter bis zur Abzweigung der grünen Markierung, hier rechts Waldsteig zur nahen Graselova sluj (Graselhöhle). Empfehlenswert noch weiter den Graselova stezka entlang (Graselweg, Achtung auf die Markierungen!) und an eindrucksvollen Granitblöcken vorbei zum Schillerov kamen (Schillerstein). Für dem Rückweg zuerst auf der gleichen Route zurück bis zur asphaltierten Forststraße, dort gegenüber rechts (grün und Markierung des Graselweges) auf wunderschönen Waldwegen zu einem kleinen Fischteich. Hier links auf Forstweg weiter und nahe am großen Teich Dolni Satlava vorbei (leicht erreichbares sandiges Ufer mit interessanter Flora, Beobachtung von Wasservögeln). Kurz danach wird wieder die Kreuzung der Forstwege erreicht (1 ½ bis 2 Stunden). Nun auf der asphaltierten Forststraße bis zu deren Rechtswendung weitergehen (Graselweg, hier spärlich markiert) und geradeaus zum Waldteich Dlouhy rybnik (Infotafeln, leider nur in Tschechisch). Später im heideartigen freien Gelände rechts halten (!) und zur mächtigen „Fronleichnamskirche“ (1280 gegründet). Auf dem von riesigen Linden überdachten Kirchenweg hinab in die Vorstadt zur „Spitalskirche“ (1414). Nun direkt in die Stadt hinein oder rechts auf Seitenstraße zu den Promenaden am Zlabingsbach und links zurück zum Ausgangspunkt (1 Stunde).

Böhmisch-Mährische Höhe mit Ruine Stamberk und Michova skala

Rundwanderung in der Nähe von Telc in das Gebiet des Javorice. Dieser Gipfel ist mit 837 m der höchste Berg der Böhmisch-Mährischen Höhe, von einem ca. 4000 Hektar großen, forstlich genutzten Waldgebiet mit vereinzelten Naturwald-Reservaten umgeben. Die gut markierten Wege ziehen sich weitläufig dahin, wobei die Begehung von Forststraßen, die noch dazu asphaltiert sein können, nicht zu vermeiden ist. Dieser Wandervorschlag verläuft aber möglichst weit auf naturbelassenen Wegen. Ich empfehle, diese Wanderung als „Nordic-Walking-Tour” zu unternehmen, d. h. keine Bergausrüstung, sondern Walkingstöcke (mit Pads) und ebensolche Laufschuhe verwenden! Empfehlenswert ist die in Telc erhältliche Wanderkarte (turisticka mapa) „Telc a okoli“ 1:50 000 (mit Kurzführer der Sehenswürdigkeiten).
Ausgangspunkt: Im hoch gelegenen Dorf Lhotka nordwestlich von Telc, Zufahrt auf landschaftlich schöner Strecke – von Telc (Abzweigung von der westlichen Umfahrungsstraße bei der Tankstelle, an der sehenswerten Johannes Nepomuk-Kirche vorbei) über Krahulci und Mrakotin nach Lhotka (7 km). Anforderungen: Streckenlänge 12 km, Höhenunterschied ca. 250 m, Gehzeit 3 Stunden, unterwegs keine Einkehrmöglichkeit.

Vom Dorfanger in Lhotka (Rast- und Spielplatz, kleiner Teich, Einkehrmöglichkeit im Ort) auf der rechten Seitenstraße zur Abzweigung in das Naturreservat „Sternberg und das steinerne Meer”. Auf dem grün markierten steileren Weg in ½ Stunde zur Ruine Stamberk (Sternberg, im 13. Jh. erbaut und 1423 zerstört, tschechische Infotafel). Die Felsstufen aus flach gelagerten Gneisplatten wirken fast wie Burgmauern, die selbst aber recht spärlich erhalten sind. Wo der Wanderweg die Mauerreste erreicht hat, rechts blau markiert weitergehen. An einem Steinbruch vorbei werden malerische Lichtungen erreicht. Diese am Waldrand entlang und über eine Wiesenfläche zu einem Fahrweg, der bergab schließlich eine asphaltierten Forststraße erreicht. Auf dieser rechts, nahe dem Teich Velky parezity rybnik, zur Wegkreuzung Na Pruseku. Hier links auf grün markierten Forststraßen zur Berghöhe und diese entlang bis zur Abzweigung des Seitenweges durch steinigen Fichtenforst zu den Michova skala („Mönchsfelsen“, 1 ¼ Stunden) – einer der beiden Felstürme ist leicht ersteigbar und bietet einen Ausblick bis zu den Türmen und Teichen von Telc!
Zurück zur Forststraße und auf dieser links weiter. Diese Forststraße führt geradlinig in welligem Auf und Ab ca. 2 km bis zum Javorice (erkennbar an der Senderanlage). Um den eher nicht lohnenden Forststraßenmarsch dorthin zu vermeiden, besser jedoch bald nach der Einmündung in die Forststraße auf dem nach einer Rasthütte links abzweigenden Forstweg hinabgehen. Auf der danach folgenden asphaltierten Forststraße links um die Kurve und zur Kreuzung bei der auffallenden Jagdhütte „Brezova bouda”. Hier aber besser nicht geradeaus weitergehen (asphaltierte Strecke bis Lhotka!), sondern auf der zunächst auch asphaltierten Forststraße links (!) abzweigen. Bei Erreichen der blauen Markierung marschiert man rechts weiter und kommt über den Forstweg und die schönen Lichtungen mit mäßiger Gegensteigung auf dem schon bekannten Weg wieder zur Ruine Sternberg. Nun wie beim Aufstieg oder auf dem weniger steilen rot markierten Weg Abstieg nach Lhotka (1 ½ Stunden).


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